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29.01.2019 14:26 Alter: 113 days

20. Spieltag der Fußball-Bundesliga, VfB Stuttgart gegen SC Freiburg

Sonntag, 3. Februar 2019, 18 Uhr Mercedes-Benz-Arena, Stuttgart VfB Stuttgart - SC Freiburg


Das Vorspiel

 

Nur wer schon ganz lange dabei ist und den 23. April 1994 miterlebt hat, fährt noch immer richtig gerne und optimistisch nach Stuttgart. Der sensationelle 4:0-Sieg des SC war nach langer Durststrecke und dem gefühlten Abstieg, eine Woche zuvor nach dem 0:1 gegen Dynamo Dresden, ein so prägendes Erlebnis, dass es locker über die vielen Enttäuschungen bei Gastspielen in den folgenden Jahrzehnten hinwegtröstet. Der Sieg mit einem Rumpfteam gegen den dadurch auf seinem Europacup-Kurs havarierenden VfB leitete beim SC den späteren Last-Minute-Klassenerhalt ein und wird ewig unvergessen sein. Ich selbst hatte als 33-jähriger Jungspund am Radiomikrofon zuvor elf sieglose Spiele des SC kommentiert und dann das: 0:1 Kohl, 0:2 Cardoso, 0:3 Cardoso, 0:4 Kohl. War das geil…

Danach war bei Gastspielen in Stuttgart sechs Jahre lang zappenduster. Am 16. Dezember 2000 gab es immerhin einen Punkt zu bejubeln – bitterkalt war es beim 0:0 und schön anzuschauen war es auch nicht gewesen, aber eben ein Auswärtspunkt in der Landeshauptstadt.

Es dauerte nicht weniger als elf Jahre, bis mal wieder etwas ging: Am 30. Januar 2011 schoss Johannes Flum beim 0:1-Erfolg des SC Freiburg in Stuttgart das Tor des Tages. Ich gebe aber zu, meine Erinnerungen an das 0:4 von anno 94 sind deutlich präsenter.

Zwei Siege gelangen dem SC und zwei Teilerfolge; das jüngste der beiden Remis-Spiele datiert vom 25. April 2015 als Nils Petersen mit seinem Doppelpack ein 2:2 ermöglichte. 1994 – 2000 – 2011 – 2015, ansonsten gab es stets Niederlagen. Im April 2013 sogar zwei Schlappen binnen vier Tagen. Der SC hatte nach einem dramatischen Viertelfinalerfolg in Mainz tatsächlich das DFB-Pokal-Halbfinale erreicht und musste zum ungeliebten VfB. Die Voraussetzungen waren allerdings so gut wie selten, denn die Schwaben kriselten und der SC, so schien es, hatte einen Lauf. Allerdings gab es hinter den Kulissen mächtig viel Stunk um den damaligen Sportdirektor Dirk Dufner, dessen Spielerverträge mit Ausstiegsklauseln für Harnisch sorgten und letztlich einen Machtkampf nach sich zogen, der Christian Streich als Sieger hervorbrachte und Dufner nach Hannover spülte, wo er längst nicht mehr ist, aber wo es neulich noch Ärger über Spieler gab, die durch Ausstiegsklauseln unter Wert den Verein verließen…

Das damals eher heimliche Krachen im Gebälk war jedenfalls keine gute Voraussetzung für ein erfolgreiches Halbfinale. Der SC spielte schlecht und verlor verdient mit 2:1. Vier Tage später, beim Bundesligaspiel an gleicher Stätte gab es dasselbe Ergebnis, obwohl der Sport-Club an jenem Sonntag viel besser gekickt hatte als beim Pokalspiel unter der Woche.

Und wenn der sportliche Vergleich nicht unbedingt für den VfB auszugehen versprach, gibt es ja immer noch Einflüsse von außen – wie am 29. Oktober 2017, als dieser unsägliche Tobias Stieler als Schiedsrichter, veranlasst durch ein Fehlurteil des Videoassistenten, wie der DFB später kleinlaut zugeben musste, den SC Freiburg nach 12 Minuten um einen Leistungsträger dezimierte, indem er den späteren Millionen-Mann Cagalar Söyüncü vom Platz stellte.

Trotz all dieser Nackenschläge – ich fahre am Sonntag gerne nach Stuttgart und bin auch mit Blick auf den Spielausgang durchaus guter Dinge. Ich fahre immer gerne nach Stuttgart – dem 23. April 1994 sei Dank.

 

Nach der 2:4-Heimniederlage gegen Hoffenheim, war – auch angesichts von sieben Gegentreffern in zwei Spielen – von der Notwendigkeit einer „besseren Balance“ und einer „größeren defensiven Stabilität“ die Rede. Das verspricht für den bevorstehenden Auftritt in Stuttgart nicht wirklich für einen Sturmlauf der badischen Gäste…

Durch seine unglückliche Rolle im Spiel gegen Hoffenheim, droht Pascal Stenzel in Schwaben die Auswechselbank. Auf der rechten Seite ist mit Lukas Kübler zu rechnen. Im offensiven Mittelfeld darf Vincenzo Grifo „ran“. Damit ist Kapitän Mike Frantz für andere Positionen frei. Eine Option wäre das zentrale defensive Mittelfeld, das ja für die Statik des Spiels und damit für die defensive Stabilität eine Hauptrolle spielt. Jérôme Gondorf wäre dann frei für die rechte Offensiv-Position, wo er freilich mit Lucas Höler konkurriert, dem von Trainer Christian Streich eine „sehr gute Entwicklung“ oder auch eine „stetige Verbesserung“ attestiert wird.

Die vier bis fünf – in Stuttgart sicher eher vier – Freiburger Offensivpositionen sind ohnehin ein Luxusproblem von Streich und seinem Trainerteam: Mit Grifo, Petersen, Niederlechner, Waldschmidt, Höler, Gondorf, Ravet und Frantz stehen trotz der Verletzungen von Kleindienst und Sallai acht namhafte Alternativen auf dem Zettel. Angesichte der als Problem erkannten defensiven Stabilität könnte die Entscheidung zu Gunsten jener Akteure fallen, die im Spiel gegen den Ball als besonders aktiv und hilfreich gelten. Für die vorderste Spitze lautet die Frage sicherlich Petersen ODER Niederlechner.

Ich gebe zu, bei sieben Gegentoren in zwei Spielen kann man ja auch – trotz beeindruckender Spielphasen ohne gegnerische Torchancen – die Grundformation, sprich die Dreier-/Fünferkette durchaus in Frage stellen. Deshalb sähe meine persönliche  Wunschaufstellung für das richtungsweisende Spiel in Stuttgart wie folgt aus:

Schwolow – Günter, Heintz (Koch), Gulde, Kübler – Frantz (Koch), Haberer – Grifo, Waldschmidt, Gondorf – Petersen (Niederlechner).

 

Nun gebe ich zu, ich bin bei keinem Training dabei und erhebe natürlich nicht den Anspruch, dass meine Formation der Weisheit letzter Schluss ist. Aber, ich finde, die Aufstellung hätte was… (oder?)

Mein Countdown für Stuttgart begann – gefühlt – gestern. Ich saß am Abend für unseren Zeitungsverlag in der Malteserhalle in Heitersheim und verfolgte die Präsentation der Bürgermeisterkandidaten für die Wahl am 10. Februar. Da es nur der Amtsinhaber und eine Gegenkandidatin sind, war ich guten Mutes, dass die Veranstaltung, die um 19 Uhr begann, nach einer guten Stunde vorbei sein würde und ich mir in Ruhe Dresden gegen Arminia zu Hause auf dem Sofa würde anschauen können. Dann zog sich das doch etwas hin. Der Amtsinhaber, ein Spezi von mir, lieferte eine eindrucksvolle professionelle Präsentation ab – die Herausforderin kam sympathisch, volkstümlich aber auch etwas verpeilt rüber. Hinterher war Fragerunde. Das Spiel in Dresden lief längst. Vorzeitig rausgehen konnte ich nicht, weil ich offiziell begrüßt und wegen des SC Freiburg, der mehrfach eine Nebenrolle spielte, obendrein ein paar Mal erwähnt wurde. Dann kann man ja nicht vorzeitig gehen… Als es laut Ticker 2:0 für Dresden stand, war mir egal, dass der durchaus spannende Schlagabtausch im Saal etwas länger dauerte. Als es 2:1 stand wurde ich unruhig auf meinem Stuhl, beim 3:1 wieder ruhig. Den Absacker mit Bürgermeister und Freundeskreis ließ ich aus und fuhr ohne große fußballerische Erwartungen nach Hause. Die Familie guckte „Fack you Göthe“ und ich ließ sie gucken… Erstmal. Da sie den Streifen aber alle schon ein paar Mal gesehen haben und meine Leidenschaft kennen wurde irgendwann – ohne Aufforderung – umgeschaltet. Wir kamen pünktlich zum 2:3- Anschlusstreffer und erlebten dann noch das 3:3 und das 3:4 für Arminia. Und schon stand ich unter Strom und war im Fußballfieber, malte mir aus, wie ein Auswärtssieg sich anfühlt; erinnerte mich an Wolfsburg und Nürnberg und freute mich auf Stuttgart.

Morgen gebe ich mir Hannover gegen Leipzig im TV und bin mal wieder ausnahmsweise und nur für ein Spiel für die Dosen; Samstag hat Ben am Vormittag ein Sichtungstraining in der Freiburger Fußballschule, dann kickt Arminia gegen den HSV, dann folgt die Bundesliga-Konferenz; Sonntagvormittag geht’s ins persönliche Fitnesstraining und dann geht’s endlich los in die Landeshauptstadt.

Ich übertrage das Bundesligaspiel VfB Stuttgart gegen SC Freiburg am Sonntagabend ab 17 Uhr (Spielbeginn: 18 Uhr) in der baden.fm-Bundesligashow.

 

Das Fußballspiel

(Mein 930. SC-Pflichtspiel live im Radio)

Nach vier Minuten ging der SC Freiburg vor über 50.000 Zuschauern in Stuttgart nach einer überlegten Kombination und einem feinen Rückpass von Nils Petersen auf Janik Haberer mit 0:1 in Führung. Dass zu diesem Zeitpunkt noch einige hundert Freiburger Fans im Polizeikessel vor den Stadiontoren verharren mussten, zeigt, dass nicht nur der VfB an diesem Sonntagabend nur eine schwache Performance ablieferte – auch die schwäbischen Ordnungskräfte. Dass die es diesmal so genau nahmen, hängt andererseits vermutlich mit verschiedenen Pyro-Verstößen bei früheren Gastspielen in Stuttgart zusammen und war daher nicht ganz unverständlich. Letztlich war die Kontrolle aber wohl sehr schlecht organisiert…

Auf dem Spielfeld stellte der SC die bessere Mannschaft und hätte mit etwas mehr Mut zu  offensiven Vorstößen – so der Eindruck von außen – eine deutlich höhere Führung herausschießen können.

Ärgerlich, dass Schiedsrichter Aytekin, der beim Derby besonders gefordert war, bei einem Vorstoß von Lukas Höler auf „gefährliches Spiel“ wegen eines zu hohen Beins entschied, dabei wäre die Interpretation „Kopf zu tief“ beim Stuttgarter Verteidiger eher zutreffend gewesen. Dann hätte der Schiri noch den Vorteil von Freiburg anerkennen müssen, statt zu unterbrechen und Höler hätte frei vor dem Tor gestanden. Wäre, wäre, Fahrradkette... (frei nach Lothar M.)

Das war Pech für den SC. Unglücklich war auch, dass der seit vielen Monaten unspektakulär aber sehr zuverlässig agierende Innenverteidiger Manuel Gulde sich in der 39. Minute einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zuzog. Für den aus Bad Cannstatt stammenden Keven Schlotterbeck war das toll. Der junge Innenvertdeidiger hatte, aus der Regionalliga-Mannschaft des SC kommend, zu Saisonbeginn einen Profivertrag erhalten, und konnte nun  vor den Augen seiner Familie und seiner Freunde sein unverhofftes Bundesligadebüt feiern. Das Talent, das vor zwei Jahren noch mit Backnang in der Verbandsliga kickte, erfüllte seine Aufgabe als rechtes Glied der Dreierkette souverän – ein neuer Hoffnungsträger beim SC! Im gegnerischen Strafraum hatte Keven freilich zwei Mal Pech, sonst hätte er – der Heimat ganz nahe – zum Matchwinner für den SC avancieren können. Nach dem vierten Eckball für Freiburg, stand der hoch aufgeschossene Schlotterbeck plötzlich völlig frei vor dem Stuttgarter Kasten, der Kopfball geriet dem jungen Schwaben im SC-Dress aber nicht gut genug, um Ron-Robert Zieler im VfB-Tor zu bezwingen. In der 57. Minute verübte Weltmeister Benjamin Pavard unverständlicher Weise zwei Tätlichkeiten an Schlotterbeck: Zunächst trat er das Freiburger Talent, das gar nicht wusste, wie ihm geschah, kräftig gegen das Schienbein. In der nächsten Sekunde stieß der Franzose Schlotterbeck mit beiden Händen um. Deniz Aytekin hatte offenbar nur die letzte Aktion wahrgenommen und diese relativ großzügig mit einer Gelben Karte bestraft. Hätte er auch den fiesen Tritt gesehen, der – und das ist der eigentliche Punkt – stattfand, als der Ball in der Luft aber noch nicht im Aus war, hätte er zwingend auf Elfmeter entscheiden und Pavard mit einer Roten Karte bestrafen müssen. Gut, dass für solche Situationen der Videoassistent da ist, der den Schiedsrichter natürlich auf seinen Fehler hingewiesen hat… (nicht…). Mit anderen Worten: Hier lag Herr Aytekin schlicht falsch und der Mann im Kölner Keller machte sich und diese ganze Video-Assistenten-Diskussion irgendwie lächerlich.

Die von den Stuttgartern befeuerten Diskussionen, ob die Gelb-Rote Karte gegen Mario Gomez kurz vor Schluss womöglich zu streng gewesen sei, ist vor diesem Hintergrund mehr als redundant.  

Sportlich passierte aber auch noch einiges. Lucas Höler und Vincenzo Grifo scheiterten knapp am möglichen 0:2; dann, nach 70 Minuten etwa, ließ der SC spürbar nach und Stuttgart übernahm das Kommando. Insua traf in der 75. Minute zum Ausgleich, der eingewechselte Didavi brachte den VfB acht Minuten später sogar in Führung. Der SC, für den bis zur 70. Minute ein Remis gefühlt eine zu geringe Ausbeute aus dem Derby gewesen wäre, drohte plötzlich alles zu verlieren. "The same procedure as every year" ging es mir durch den Kopf.

Christian Streich, der zuvor schon Jérôme Gondorf für Lucas Höler eingewechselt hatte (78.), setzte nun alles auf eine Karte, holte Innenverteidiger Dominique Heintz vom Platz und beorderte dafür Florian Niederlechner als zusätzliche Offensivkraft in den Sturm. Als Mario Gomez in der 89. Minute wegen zweier Ellbogenchecks in Kopfballduellen mit der Ampelkarte vom Platz musste, war absolute Offensive Trumpf beim SC Freiburg und die beiden eingewechselten frischen Offensivkräfte erwiesen sich als goldene Griffe des Trainers. In der vierten Minute von fünf angezeigten Minuten der Nachspielzeit flankte der starke Vincenzo Grifo auf die rechte Seite, wo Jérôme Gondorf stand und den Ball sofort flach vor das VfB-Tor passte, wo Florian Niederlechner lauerte und aus kurzer Distanz traf: 2:2 – der Ausgleich – der Endstand.

Es war ein dramatisches Finale, ja, aber auch ein hochverdienter Punkt für den SC, der seine 4.000 Schlachtenbummler lange hatte auf einen Auswärtssieg beim ungeliebten VfB hoffen lassen.

 

Das Nachspiel

Nein, eine Niederlage des SC in Stuttgart hätte an diesem Wochenende nicht ins Bild gepasst. Ich persönlich war ohnehin schon euphorisch, weil Arminia Bielefeld den aktuellen Zweitliga-Spitzenreiter Hamburger SV mit 2:0 von der Alm gejagt hatte.

Der Zweitliga-Rekordtorschütze des SC, kein Geringerer als Bundestrainer Jogi Löw, feierte am Sonntag Geburtstag und der Erstliga-Rekordtorschütze des SC, Nils Petersen, war wegen seines traumhaften Treffers in Dortmund von der ARD-Sportschau für das  „Tor des Jahres 2018“ gekrönt worden. Nein, eine SC Niederlage hätte da irgendwie nicht ins Bild gepasst.

Ich stand während des gesamten Derbys irgendwie unter Strom; mehr als sonst, ich war total nervös und hibbelig. Als es vollbracht war und zumindest der verdiente Auswärtspunkt in trockenen Tüchern, ging es besser.

Im Bereich Mixedzone war zunächst nichts los. Das liegt daran, dass der Bereich für die sogenannten Erstverwerter (Sky, andere TV-Stationen und ARD-Radio) in der Stuttgarter Arena räumlich getrennt von der Mixedzone für Zeitungen, Privatradios und Internet-Dienste ist. So kam erstmal lange Zeit niemand. Irgendwann trat der seit ein paar Wochen neue "Leiter Kommunikation" beim SC, Klaus Bellstedt, durch die Tür und bemerkte das Problem. Klaus besorgte auf kurzem Dienstweg den Torschützen Florian Niederlechner zum Interview. Danach waren alle anderen SC-Kicker bereits unter der Dusche. So zog ich, wohl wissend, dass die Jungs auf dem Weg zum Bus durch diese Mixedzone II durchlaufen mussten, die Pressekonferenz vor, interviewte Christian Streich und traf später noch auf Robin Koch, der in Stuttgart nicht mehr den zentralen Mann in der Dreierkette gegeben, sondern als defensiver Part im zentralen Mittelfeld mitgewirkt und mir mit seiner Leistung durchaus gefallen hatte. So hatte ich meine Interviewaufgaben – Trainer und zwei Spieler – alsbald erledigt.

In der Wartezeit war ich auch dem ehemaligen Freiburger Marc-Oliver Kempf begegnet. Ich sprach ihn freundlich an, wurde aber von dem Schnösel (sorry) komplett ignoriert. Das kenne ich beispielsweise von anderen Ehemaligen, wie etwa Steffen Korell – von vor ganz langer Zeit – oder, recht aktuell, von „Gindes“ Ginter, „Milli“ Philipp oder auch Roman Bürki und vielen anderen ex-SClern wirklich ganz anders. Da bleibt es oft nicht nur bei einem Shake-Hands... Und das sind größere Nummern in der Szene als der Verteidiger des Tabellensechzehnten, der mich demonstrativ keines Blickes würdigte.

Der Neu-Stuttgarter Kempf, der seinen Vertrag in Freiburg ausgesessen hatte um ablösefrei wechseln zu können, hat einmal mehr mit seinem Verhalten alle Klischees, die man von verwöhnten und verhätschelten Fußballprofis als Egomanen haben könnte, erfüllt. Kempf halt. Stuttgart halt. Da passt er hin.

 

In gut zwei Stunden düste ich über die A81, A8 und A5 nach Hause. Auf der Autobahn war nicht viel los. Zuhause angekommen, füllte ich mir ein dickbäuchiges Glas mit Rotwein und schaute mir den Kurzbericht bei Sky an. Anschließend den von DAZN, der ja anders geschnitten und anders kommentiert wird als der Sky-Bericht. Klarer Sieg für DAZN. Bei Sky fand die Szene Pavard/Schlotterbeck irgendwie nicht statt – bei DAZN (auch über youtube anzuklicken) forderte der Kommentator mit ausdrucksstarken Bildern Elfmeter für Freiburg und Rot gegen Pavard. Bei Sky ging es umso mehr um die Ampelkarte gegen Gomez und wie streng doch Aytekin da gewesen wäre. Es war halt zwei Mal Gelb, eigene Dummheit von Gomez… Warum jetzt die Ampelkarte von Gomez so ein großes Thema war und die verhinderte Rote Karte gegen Pavard bzw. der verweigerte Elfmeter für Freiburg nicht … keine Ahnung. Ist Mercedes-Benz Werbekunde bei Sky? Oder geht mir da die Fantasie durch???

 

Irgendwann löste ich mich vom 20. Bundesligaspieltag, hörte noch ein bisschen per Kopfhörer meinen aktuellen Hörbuchkrimi und legte mich - letztlich nicht unzufrieden - ins Bett.

 

Die Arbeitswoche begann ich am Montagmorgen mit dem Verfassen der Kolumne „SC INTEAM“ für die Wochenzeitungen am Oberrhein (WZO). Hier ist sie:

 

SC INTEAM

Wie immer, wenn der VfB Stuttgart und der SC Freiburg im Baden-Württemberg-Derby die Klingen kreuzen, kochten auch am Sonntagabend die Emotionen hoch. Die Schwaben fühlten sich von Schiedsrichter Deniz Aytekin benachteiligt, weil dieser den VfB-Star Mario Gomez nach zwei Ellbogeneinsätzen in Kopfballduellen kurz vor Ende der regulären Spielzeit mit „Gelb/Rot“ vorzeitig zum Duschen geschickt hatte und die badischen Gäste dann in Überzahl und in der Nachspielzeit noch zum 2:2-Ausgleich kamen. Eine so strenge Regelauslegung hätten sich die Freiburger in der 57. Minute gewünscht, als sich Weltmeister Benjamin Pavard im Stuttgarter Strafraum eine Tätlichkeit gegen Bundesliga-Debütant Keven Schlotterbeck – er war für den verletzten Gulde eingewechselt worden – erlaubt hatte. Der Tritt gegen des Schienbein des Novizen, zu einem Zeitpunkt, als sich der Ball noch in der Luft über dem Spielfeld befand,   hätte zwingend einen Elfmeter und eine Rote Karte nach sich ziehen müssen. Stattdessen ahndete Aytekin den derben Schubser von Pavard, der dem Tritt folgte als der Ball sich im Aus befand, mit einer äußerst gnädigen Gelben Karte. Somit wirkten die Proteste der Stuttgarter über das späte „Gelb-Rot“ gegen Gomez etwas fehl am Platz. Fakt ist, dass der SC Freiburg beim Gastspiel in Schwaben über weite Strecken die bessere Mannschaft stellte und das Spiel bei etwas mehr Mut und Glück im Abschluss, unabhängig von Schiedsrichterentscheidungen, hätte gewinnen müssen. 70 Minuten lang sahen die Gäste wie die späteren Sieger aus, überließen dann eine Viertelstunde lang dem VfB die Initiative; eine Phase, die die Schwaben nutzten, um das Ergebnis zu drehen. Der Sport-Club bewies allerdings in den Schlussminuten große Moral und Nervenstärke. Das 2:2 war mehr als verdient. Durch das Remis hielt der SC die Stuttgarter (7 Punkte Abstand), die auf dem Relegationsplatz verharren, sowie Nürnberg (10 Punkte Abstand) und Hannover (11 Punkte Abstand) auf Distanz und zog auch wieder an Fortuna Düsseldorf (punktgleich) vorbei. Wie schon in der Hinrunde gab es nach zwei Auftaktniederlagen gegen Frankfurt und Hoffenheim ein Remis gegen Stuttgart. Um die Duplizität der Ergebnisse weiterzuführen, müsste am kommenden Samstag gegen den VfL Wolfsburg ein Sieg gelingen. Das Team von Trainer Bruno Labbadia, inzwischen im oberen Tabellendrittel angekommen, ließ am Wochenende, beim 0:1-Sieg in Berlin, allerdings Auswärtsstärke aufblitzen und wird ganz sicher eine harte Nuss für den SC, der den Punktgewinn von Stuttgart mit den Verletzungen von Manuel Gulde und Christian Günter „bezahlte“.  Kapitän Mike Frantz zählte schon vor dem Spiel in Stuttgart zum Lazarett. Der Abstiegskampf geht weiter. (Zitatende)

 

So Freunde, das war es mit dem 20. Spieltag. Wir lesen/hören uns Ende der Woche! Ich höre die Wölfe schon heulen.

p.s.: Sie sind zum Abschuss freigegeben!